Führen mit Werten: Die Kardinaltugend Gerechtigkeit

Moral und Ethik werden stets dann wichtig, wenn es unmoralisch zugeht. Unmoralisches jedoch kann man überall sehen, hören und lesen. Nicht nur in Deutschland gibt es Absprachen und Betrug. Schließen sich Wirtschaft und Ethik gegenseitig aus? Nein bestimmt nicht.  Verwerfliches Verhalten gab es zu allen Zeiten und zwar in allen Bereichen. Menschen sind unterschiedlich, es gibt solche und solche. Und nur weil jemand eine Führungsrolle im Unternehmen hat, muss er nicht automatisch gut oder schlecht sein. Der Mensch hat stets die Wahl wie er sich verhält. Das gilt auch dahingehend ob er seine Gier befriedigt oder dem Ruf nach Ehrbarkeit nachgeht. Es gibt sicherlich viele Führungskräfte, die ihre Position nur mangelhaft ausfüllen. Und es liegt in der Natur der Sache, dass deren Unvermögen, Betrug, Gier und profilneurotisches Verhalten stets schädliche Auswirkungen haben, und das nicht nur für das Unternehmen. Man muss sich jedoch auch immer fragen, wer diese Führungskräfte ernannt hat, und wer ihnen blind und gehorsam folgt? Verantwortung tragen immer alle. Es gibt aber auch rechtschaffene und ehrbare Führungspersönlichkeiten und Unternehmer, die durch ihre innere wertorientierte Haltung und ihr Handeln herausragen. Es sind vor allem die Kardinaltugenden, die diese Menschen so wertvoll machen. In diesem Artikel möchte ich genau über eine der vier Kardinaltugenden, nämlich die Gerechtigkeit schreiben. Denn es ist mehr als wirtschaftlich, moralische Kompetenz in den Mittelpunkt der Führungsqualitäten zu stellen und diese einzufordern. 

Moralische Kompetenz - die Basis des Vertrauens und wichtiger Wettbewerbsfaktor

Es gibt viele Führungsansätze die an Universitäten, in Vorträgen, Workshops, Büchern aber auch in Einzelcoachings erörtert, analysiert und zur Integration eingeübt werden. Doch ist das der Weisheit letzter Schluss? Natürlich gibt es ‚Soft Skills‘, die eine Führungskraft erlernen kann und beherrschen muss. Dazu gehören unter anderem die sozialen und fachlichen Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Selbstführungsqualitäten, betriebswirtschaftliches Wissen, Mitarbeitergespräche führen und so weiter. Doch das macht aber keine Führungspersönlichkeit aus. Denn sind wir ehrlich, wir wissen, dass diese Fähigkeiten ebenso von uns allen im Beruf als auch im Privaten abverlangt werden, auch wenn wir keine Abteilung leiten. Diese Fähigkeiten sind einfach nur Voraussetzung zum verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst und mit der Umwelt- nicht mehr und nicht weniger.

 

Durch was muss sich also eine Führungskraft zusätzlich auszeichnen? Sie muss besonders über moralische Kompetenzen verfügen, damit sie als solche anerkannt und wertgeschätzt wird. Denn Ziele sollen über die Durchführung der Pläne erreicht werden. Hier spielt das Vertrauen vor allem seitens der Mitarbeiter die wesentliche Rolle. Vertrauensbruch schadet nicht nur der Wirtschaftlichkeit im Unternehmen, sondern natürlich auch dem Image  in der Außensicht. Dies geht immer einher mit schwerwiegenden Folgen, die auch das Bestehen des Unternehmens gefährden können.

Welches moralische Leitbild

gilt für Führungskräfte und Manager?

Lernte ich noch an der Universität das Leitbild des ‚ehrbaren Kaufmannes’ kennen, innerhalb dessen moralisches Verhalten verankert ist, so fehlt gänzlich ein solches in den Manager- und Führungspositionen eines ‚fremdgeführten‘ Unternehmens. Einige davon befinden sich derzeit aufgrund unverantwortlichen Verhaltens in den Schlagzeilen.

 

Wie definiert sich das Leitbild des ehrbaren Kaufmannes?

 

Der ehrbare Kaufmann verfügt idealerweise über eine humanistische Grundeinstellung und selbstverständlich über wirtschaftliches Fachwissen. Daneben sticht sein ‚gefestigter Charakter‘ tugendhaft hervor. Auch weißt er ein starkes Verantwortungsbewusstsein gegenüber allen Marktteilnehmern aus. Das betrifft die eigenen Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten, aber auch den Wettbewerb, den Konsumenten, die Gemeinde innerhalb derer das Unternehmen niedergelassen ist, die Öffentlichkeit incl. Umwelt etc. Verantwortung zu tragen heißt nicht nur Entscheidungen zu treffen, sondern für diese auch mit seinem Gut und Haben Stellung zu beziehen, und nicht wie im Kindergarten mit dem Finger auf die anderen zeigen. 

Der sinnvolle Konsum und die

aufgeklärten Verbraucher

Vielen Verbrauchern geht es längst nicht mehr nur um die Produkte alleine. Sie sind aufgeklärt und möchten mit ihren Konsumentscheidungen an einer besseren Zukunft mitwirken. Diese Konsumentenmacht geht längst nicht mehr in die Einbahnstraße: ‚Je billiger, desto besser.‘  Es wird in naher Zukunft schon mehr und mehr um ein sinnvolles Konsumieren gehen. Außerdem werden auch Statussymbole immer belangloser, je aufgeklärter und selbstsicherer die Menschen sind. Wen imponieren da die großen Firmenwagen als Machtsymbole noch sonderlich, wenn die Mitarbeiter die Kompetenzen der Führungskraft in Frage stellen? Da verkommen zur Zeit diese Herrschaftsreliquien bestenfalls zur Clownerie schlimmstenfalls zu dem Gefühl von ‚denen da oben abgezockt zu werden‘. Die Konsequenz: innere Kündigung und Dienst nach Plan. Das ist schädlich für die Unternehmensentwicklung. Denn Innovation wird bekanntlich aus Kreativität und Leidenschaft geboren.  

Und in naher Zukunft? Da verschwinden diese althergebrachten Symbole wahrscheinlich ganz, denn Sinnhaftigkeit, ökonomisches Handeln, Freiheit und Selbstbestimmtheit ist unter den aufgeklärten Menschen mehr denn je angesagt.

Wir sind im Zeitalter der Bewusstheit, von Lippenbekenntnissen hat der Verbraucher genug

 Längst bewegen wir uns gesellschaftlich Richtung Bewusstheit und Sinnhaftigkeit. Vielleicht noch nicht die große Masse, aber dennoch, die Bewegung ist bemerkbar. Gerechtigkeit wird in den verschiedensten Bereichen immer lauter eingefordert. Ich bin der Meinung, dass ein wichtiger Teil der Gesellschaft auf Dauer nur noch solchen Unternehmen ihre Wertschätzung, d. h. ihre Kaufkraft,  entgegenbringen wird, wenn offensichtlich und transparent nachvollziehbar ist, dass das Unternehmen eine klare ethische Wertorientierung in seinen Produkten, in seinem Handeln und im Kommunizieren auch tatsächlich lebt. Von Lippenbekenntnissen hat der kritische Konsument genug. Wahrhaftigkeit ist angesagt. Das betrifft die eigenen Mitarbeiter, die Kunden und die Umwelt gleichermaßen. Doch an was sollen sich Führungskräfte halten? Was sollen Investoren von ihren Managern einfordern bzw. was sollten sie einfordern, bevor es gesellschaftlich mit großen Verlusten einhergehend eingefordert wird?


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 Die vier Kardinaltugenden können hier hilfreich sein: Gerechtigkeit, Tapferkeit, Rechtes Maß, Klugheit. In diesem Blogartikel geht es um die Gerechtigkeit. 

 

Die erste kardinale Tugend 'Gerechtigkeit' als Leitfaden des Handelns

Was ist Gerechtigkeit? Die Philosophen haben dieses Thema unterschiedlich behandelt und es lohnt sich hier näher zu recherchieren. Platon hält die Gerechtigkeit eher für eine seelische Eigenschaft. Er meint, der Mensch sei gerecht, wenn er seinem eigenen Wesen das richtige Augenmerk gibt. So geht es ihm wohl verstärkt darum, das Leben richtig zu leben.  Aristoteles sieht die Gerechtigkeit eher als eine soziale Tugend an. Es geht ihm darum, unparteiisch zwischen rivalisierenden Gruppen zu vermitteln, ohne die eigenen Bedürfnisse hineinzubringen, richtig und gerecht zu urteilen, damit jedem 'das Rechte' zuteil wird. Thomas von Aquin erweitert im Mittelalter die soziale Dimension stärker und ist für unsere Belange nun sehr dienlich, wollen wir uns mit dem Inhalt der Gerechtigkeit nicht nur beschäftigen sondern sie auch leben. 

 

Von Aquin unterscheidet zwischen Dingen, die dem Menschen aufgrund von Verträgen, Abmachungen, Versprechungen und gesetzlichen Bestimmungen zustehen und Dingen, die uns Menschen von Natur aus zustehen, er spricht von den Naturrechten. Er sagt „Vielmehr ist der gerecht, der den anderen als anderen gelten lässt, ihn in seinem Anderssein bestätigt und ihm zu dem verhilft, was ihm zusteht.“


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Beginnen wir mit dem Teil: ‚Den anderen gelten lassen und ihn in seinem Anderssein bestätigen". Das ist im Grunde erst einmal nichts Neues in einem Unternehmen. Die persönliche Unversehrtheit ist selbstverständlich zu wahren Integration - egal wie anders das Gegenüber nun ist - ist das Ziel im Diversity Management, das ja die soziale Vielfalt, die Heterogenität, nutzen möchte. Diese beiden Punkte sind nichts Neues, man findet sie als Versprechen in den Hochglanzprospekten großer Firmen als auch in den veröffentlichten Unternehmenskodizes.

Nun wird es spannend denn es geht weiter „…und ihm zu dem verhilft, was ihm zusteht.“  Es geht somit auch um das Helfen und somit wird auch das Handeln angesprochen. Wir sprechen von ‚zuteilender‘ Gerechtigkeit. Auch das ist nichts Neues, denn genau diese Fähigkeit wird von Führungskräften seitens der Mitarbeiter vorausgesetzt nur dann wird er geachtet und wirklich echt anerkannt. 

Gerechtigkeit als edle Tugend der Könige also auch der CEOs bis zu den Abteilungsleitern

Thomas von Aquin lebte ja in früheren Zeiten und analysierte die Gerechtigkeit vor allem in Bezug auf den gerechten Herrscher. Er sagt, dass es ohne Gerechtigkeit des Königs keine soziale Gerechtigkeit geben kann. Das ist mehr als einleuchtend und gilt über alle Zeiten hinweg. Was er nun somit über den König, den Machthaber schreibt, das gilt in der heutigen Zeit daher für alle Führungskräfte, vom CEO bis zum Abteilungsleiter. Der Grundgedanke der Gerechtigkeit ist doch, dass jedem Einzelnen das zuteil wird, was ihm zusteht. Das bedeutet im Unternehmenskontext Lohngerechtigkeit, die Achtung der Würde und die Wertschätzung des Einzelnen als auch die Möglichkeiten, seine Fähigkeiten in das Unternehmen einzubringen. Auch das sind bei weitenm keine unbekannten Punkte, die einzufordern sind. Denn sie sollten für jeden der Verantwortung trägt mittlerweile selbstverständlich sein. 

 

Übrigens: Die Wurzel des Wortes ‚Recht‘ kommt aus dem Lateinischen, nämlich von ‚regere‘, was nichts anderes bedeutet als lenken, leiten, führen. Man könnte nun sagen, die Gerechtigkeit ist die edle Tugend der Könige. 

 

Sind Sie Führungskraft? Dann lade ich Sie ein sich folgende Fragen zu beantworten:

  • Was heißt für Sie 'gerecht zu führen'?
  • Wem gegenüber müssen Sie gerecht sein?
  • Wissen Sie was der einzelne Mitarbeiter braucht?
  • Werden Sie von Ihren Mitarbeitern als 'gerecht' gehalten?

Sind Sie keine Führungskraft? Dann beantworten Sie doch folgende Fragen:

  • Was heißt für Sie gerecht führen?
  • Halten Sie Ihren Vorgesetzten, Ihre Vorgesetzte für gerecht?
  • Wissen Sie was Ihnen in Ihrem Arbeitsfeld fehlt und haben Sie dies bereits mitgeteilt oder gar eingefordert?
  • Wenn ja und es hat sich noch nichts geändert, dann fragen Sie sich, warum das so ist.

von Martina M. Schuster

inspiriert von der Praxis, guten Gesprächen mit Unternehmern

und den Vorträgen von Anselm Grün.

Bildnachweis: Canva.



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Kommentare: 2
  • #1

    Hannes B. (Donnerstag, 10 August 2017 16:23)

    Hallo Frau Schuster, sie sprechen wahrscheinlich nicht nur mir aus dem Herzen. Die Frage nach Gerechtigkeit kann oft nur schwammig beantwortet werden. Hier haben Sie aber klare Aussagen getroffen, die sehr hilfreich sind bzw. wären, wenn die Verantwortlichen diese zu Herzen nähmen. So hoffe ich und freue mich über weitere Artikel von Ihnen. Vielen Dank dafür. mfG

  • #2

    Wolfgang R. (Samstag, 12 August 2017 22:17)

    Ihr Artikel hat eine Menge Gesprächsstoff entzündet. Sehr cool. Ja manche Dinge können einfach nicht nur mit SMS oder Twitter erläutert werden. Danke schön.

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