Es gibt Klientinnen, die den Raum betreten und schon wissen, was sie sagen werden. Die eigentliche Arbeit beginnt später — in dem Moment, in dem sie wahrnehmen, dass ihr Körper die ganze Zeit eine andere Geschichte erzählt hat.
Für die meisten von uns ist das Sich-Spüren zu einer beinahe vergessenen Übung geworden. Wir haben gelernt, irgendwann auf dem Weg, über unseren Zustand nachzudenken, statt in ihm zu wohnen. Wir bemerken erst, dass wir müde sind, wenn der Tag schon vorüber ist. Wir erkennen erst Stunden nach dem Gespräch, dass uns etwas verletzt hat. Der Verstand führt eine Art Kartei. Der Körper aber ist anderswo — er wartet, oft, darauf, dass wir ihm zuhören.
Sich tiefer zu spüren ist kein Projekt. Es ist keine Fähigkeit, die in einem Wochenende erworben werden kann, und keine Technik, die am Ende eines langen Tages aufgeführt wird. Es ist näher an einem Ankommen. Eine Hinwendung der Wahrnehmung, die nichts verlangt — sondern nur zulässt, dass hörbar wird, was ohnehin schon da ist.
Ich vertraue dieser leisen Bewegung mittlerweile mehr als fast allem anderen in meiner Arbeit. Wenn eine Klientin weich genug wird, um ihre eigenen Schultern zu spüren, ihren eigenen Atem, das kleine Spannungsfeld hinter den Augen, dann verschiebt sich etwas, das keine Frage hätte erreichen können. Der Körper hat die ganze Zeit gesprochen. Der Körper ist nicht das Hindernis. Der Körper ist das Instrument.
Deshalb hat die Stimme einen so zentralen Platz in der Arbeit, die ich lehre. Eine Stimme entsteht nicht ohne den Körper. Eine Stimme, die nur im Hals getragen wird, klingt dünn, ängstlich, an der Oberfläche. Eine Stimme, die aus dem unteren Bauchraum aufsteigt, aus der Brust, aus der ganzen Architektur eines Menschen — diese Stimme ist auch eine Form, sich selbst zu spüren. Zu klingen heißt, in diesem Sinne, anzukommen.
Es braucht keine besondere Vorbereitung. Keinen Rückzugsort, keine Kerze, keine Musik. Der Körper ist hier, immer. Es genügt manchmal, mitten in einem gewöhnlichen Tag einen Moment lang innezuhalten und wahrzunehmen: Wo sitze ich gerade? Was tut mein Atem? Was geschieht in meinem Körper, dem ich mich heute noch nicht zugewendet habe?
Die Ausbildung mit zwei Abschlüssen: Life Coach und AuditiveCoach©
Die Antwort ist selten dramatisch. Oft ist sie klein — eine leichte Spannung, eine sanfte Müdigkeit, eine schwache Wärme. Doch bei dem zu bleiben, was klein ist, ist eine eigene Form von Übung. Mit der Zeit weitet sich die innere Kammer. Die Signale werden klarer. Und eines Tages, beinahe ohne es zu merken, bemerkt man, dass sich der Abstand zu sich selbst leise geschlossen hat.
Das ist, so glaube ich, eine der am stärksten unterschätzten Arbeiten unserer Zeit. Nichts hinzufügen, nichts aufführen, niemand werden — nur sich wieder zu spüren, mit Geduld, und mit Respekt für das, was schon da ist.
Wenn etwas in diesem Text in dir Resonanz gefunden hat, ist das vielleicht jener Teil, bei dem es sich zu verweilen lohnt.
Deine Martina




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