Der sechste Kontradieff oder betriebliche Aufwendungen für die Gesundheit - nicht als Kosten sondern als Investitionen einstufen

Die Zahlen der psychischen Belastungsstörungen, die Krankenkassen in ihren Erhebungen veröffentlichen steigen stetig an. Das alles ist nichts Neues. Es ist auch nichts Neues, dass der Arbeitgeber für einen verträglichen Arbeitsplatz zu sorgen hat, denn Probleme unterschiedlichster Couleur führen zu immer stärkeren Belastungen, die sich nicht nur für die betroffenen Arbeitnehmer, sondern auch für den Arbeitgeber, sodann für die Wirtschaft und damit die Gesellschaft negativ auswirken. Für die Wirtschaftswissenschaftler wird Kondratieff ein Name sein, denn er beschrieb die Theorie der langen Wellen. Darum geht es hier und wie man diese Entwicklung deuten könnte.

Der sechste Kontradieff

 

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelte der russische Wirtschaftswissenschafter Nikolai Kondratieff die „Theorie der langen Wellen“. Dort beschreibt er eine zyklische Wirtschaftsentwicklung. Diese blieb bei seinen Kollegen und in Fachkreisen zwar nicht unumstritten, hat aber dennoch für einige Erkenntnisse gesorgt. 1999 hat Leo A. Nefiodow das Buch „Der sechste Kondradieff. Wege zur Produktivität und Vollbeschäftigung im Zeitalter der Information“ veröffentlicht. Der sechste Kondratieff-Zyklus hat das Thema der psychosozialen Gesundheit zum Inhalt und sieht diese als Basisinvestition, in die zwangsläufig investiert werden muss.

 

Was bedeutet das? Das heißt im Laufe der jetzigen Welle - also der Zeit, in der wir jetzt leben - werden es die Unternehmen aber auch die Regierungen der unterschiedlichsten Länder lernen müssen, sich auf das wichtigste Bedürfnis des Menschen zu konzentrieren: nämlich die Gesundheit, und zwar sehr stark auf die psychosoziale Gesundheit. Warum das so ist, liegt im Grunde auf der Hand - vor allem sollte dies für Führungskräfte mit Personalverantwortung selbstverständlich sein:

 

Psychosoziale Gesundheit ist die Voraussetzung für ein gutes Betriebsklima, für die Einsatzbereitschaft, die Loyalität, die Zusammenarbeit im Unternehmen, die Teamfähigkeit - die auch Fachwissen zum gemeinsamen Vorteil mobilisiert - und für die Attraktivität des Unternehmens. 

 

 

Aufwendungen für die Gesundheit als Investitionen sehen

 

Die Leistungserstellung eines Unternehmens hängt von der Produktivität des Prozesses ab. Dieser wird von den Arbeitnehmern erfüllt und gesteuert. Da liegt es nun auf der Hand, dass diese - haben wir es nicht nur mit einer vollautomatischen Produktion zu tun - selbstverständlich abhängig ist von nicht nur leistungsfähigen sondern auch leistungserbringenden Menschen.

 

Verkürzt wird postuliert, und dem schließe ich mich an: Aufwendungen für die Gesundheit sind definitiv Investitionen in die Zukunft. Es geht hier wie bereits angedeutet um die Produktivität eines Unternehmens, nicht um „Weichspülfaktoren“. Fach- und Methodenkompetenz, Kooperationsfähigkeit und Einsatzbereitschaft sind die Säulen der Produktivität eines Leistungserstellungsprozesses, und damit eines Unternehmens. Hierfür ist die Gesundheit die Basis, nicht nur die körperliche, sondern ganz allgemein die psychosoziale Gesundheit. 


Quelle: Wikipedia, Nefiodow
Quelle: Wikipedia, Nefiodow

Bereits einsetzende Veränderungen im Gesundheitswesen

Man kann - obwohl die lange Welle noch nicht abgeschlossen ist (40-60 Jahre pro lange Welle) - bereits jetzt eine Veränderung im Gesundheitswesen erkennen: Neben dem schulmedizinischen Sektor, dem immer mehr Menschen kritisch gegenüber stehen, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein zweiter Gesundheitssektor etabliert, der sich durch hohe Innovationstätigkeit auszeichnet und aus dem neue - auch teilweise umstrittene - Angebote im Gesundheitssektor hervorgegangen sind. In diesem Bereich werden bereits sehr hohe Umsätze verzeichnet und man kann deutlich erkennen, dass Menschen - meist aus innerem Leidensdruck heraus - gezielt in alternativen Disziplinen nach Abhilfe suchen.

 

Dies beobachtete der Wirtschaftstheoretiker und Wissenschaftler Nefiodow in den letzten Jahrzehnten sehr stark. Er sagt, der neu aufkommenden Gesundheitssektor bildet zusammen mit dem herkömmlichen Gesundheitsmarkt den Antriebsmotor des sechsten Kondradieffs bildet,  folgende Bereiche:

 

  • Biotechnologie
  • Naturheilverfahren
  • Naturwaren, Naturkost
  • Komplementäre/alternative Medizin: Homöopathie, klassische Akupunktur, Elektroakupunktur, Kinesiologie, Bioresonanz, Anthroposophische Medizin, Magnetfeldtherapie, Zellular Medizin nach Dr. Rath, Biofeedback, Quantenheilung, Traditionelle Chinesische Medizin, Ayurveda, Reiki, Geistheilung usw.
  • Umweltschutz (überwiegend)
  • Landwirtschaft und Ernährung
  • Wellness/Fitness, Gesundheits-Tourismus
  • Sinne (Farbe, Geruch, Musik), Architektur (innen, außen), Baustoffe, Materialien, Textilien, Bekleidung
  • Eigenmedikation und Eigenbehandlung
  • Beteiligung der Krankheitsverursacher, zunehmende Eigenbehandlung
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement
  • Betriebskrankenkassen, Betriebssport, Kantine, Sozialstation, Gesundheitsseminare, Gesundheitsvorsorge, Gesundheitsprämien
  • Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik
  • Religion/Spiritualität

Nicht wenige dieser Bereiche sind in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und haben sich bereits etabliert.

 

Was vor einigen Jahrzehnten die Investitionen für die Informationstechnologie für den fünften Kondatieff bedeuteten, wird bereits jetzt und in unserer nahen Zukunft für die psychosoziale Gesundheit gelten.

 

 

 

Doping am Arbeitsplatz - Schon Normalität?

Tatsächlich ist es wünschenswert, dass es für ein Unternehmen ein No-Go sein muss, wenn dort Mitarbeiter gering schätzend behandelt und/oder die Arbeitszeiten schier unmenschlich gestaltet werden und/oder die Mitarbeiter sich mit Medikamenten wach und leistungsfähig halten, um das Arbeitspensum bewältigen zu können. Leider hat die Untersuchung der DAK ein beschämendes Bild der Unternehmensführung gezeigt. Siehe hierzu den aktuellen und niederschmetternden Gesundheitsbericht der DAK. Empörung auf breiter Linie ist hier angesagt. Knapp 3 Mio. Arbeitnehmer "dopen" sich, um ihr Arbeitspensum leisten zu können. Dabei handelt es sich nicht nur, wie so oft vermutet, um die Managementebene, sondern auch sehr häufig um Menschen, die ohnehin im Niedriglohnsektor arbeiten und dort sogar mehrere Jobs innehaben, um ihre Familie ernähren zu können.

 

Schauen Sie sich die folgenden Abbildungen an:

Da ein Unternehmen mit einem lebenden Organismus vergleichbar ist, und es Menschen sind, die diesen mit Leben füllen, müssen die Bedürfnisse eben dieser Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden, damit das Unternehmen gesund ist. Dabei geht es auch um Faktoren wie Selbstverantwortung und Selbstführung. Das heißt, der Mitarbeiter ist selbstverständlich auch zu einem gewissen Grade für sich verantwortlich und hat für sich einzustehen. Aber geht das denn, wenn wir von Menschen reden, die zu den Mindestverdienern gehören? Haben diese Menschen eine große Wahl? 

 


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Für wertschätzenden und menschlichen Arbeitseinsatz einstehen

Hier sind auf breiter Front vor allem die Führungskräfte gefragt. Welche Philosophie wird im Unternehmen gelebt, wie wird mit Menschen umgegangen, wie sieht es mit Lohngerechtigkeit aus? Und so weiter und so fort. Es gibt viele Grundsatzfragen, die sich hier anschließen und beantwortet werden müssen. Dies kann keine einzelwirtschaftliche Entscheidung mehr sein! Denn mangelnde Führungsqualitäten schwächen und schädigen nicht nur die psychosoziale Gesundheit der Mitarbeiter, sondern sie schaden auch - und zwar ziemlich zeitgleich - der Volkswirtschaft, denn die Ausfall- und Krankheitskosten werden auf dem Rücken der Allgemeinheit ausgetragen. Ich ziehe als Beispiel nicht nur die steigenden Krankenkassenbeiträge heran, sondern auch andere steigende Sozialkosten, denn Menschen, die nicht mehr leistungsfähig sind, sind häufig ebenfalls Aspiranten für Langzeitarbeitslosigkeit. Ohne die entsprechend weitergehenden volkswirtschaftlichen Berechnungen und sozialpsychischen Schäden zu nennen, die im jeweils familiären Umfeld entstehen. Denn unsere seelischen bzw. psychischen Belastungen können wir weder am Eingangstor des Unternehmens noch bei Feierabendbeginn abstreifen wie eine Jacke. Nein sie bleiben dem System erhalten und wirken negativ so lange wir uns diesen Konsequenzen nicht stellen und denen entgegentreten. Hier sind die Unternehmen - sprich die Führungskräfte zuallererst gefordert: Analysieren Sie Ihre Prozesse und beginnen Sie in die psychosoziale Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu investieren. Was Sie davon haben? Früher oder später einen enormen Imagevorteil, denn innovatives Verhalten bleibt nicht unentdeckt und menschliche wertschätzende Führung findet schnell echte Fans.

 

Martina M. Schuster


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Kommentare: 4
  • #1

    Ana Wener (Montag, 29 August 2016 20:26)

    Ich glaube dass dies schneller als wir denken eintreten muss. Denn die Unternehmen sind von gesunden Menschen abhängig und dürfen gesunde Menschen nicht krankmachen

  • #2

    Franz (Montag, 29 August 2016 22:09)

    Sehr guter Artikel, der die Wiklichkeit in vielen Unternehmen wiederspiegelt. Ich hoffe, dass diesen Blog Artikel viele lesen und in ihrem Unternehmen etwas verändern!

  • #3

    anonymus (Donnerstag, 03 November 2016)

    Ein klarer Artikel für eine sehr wichtige Thematik, die uns sicherlich in der Zukunft sehr stark interessieren muss und beschäftigen wird. Ich bin sogar der Meinung, dass die Art und Weise, wie ein Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht, einer der vielleicht wichtigsten Wettbewerbskriterien wird. Besten Dank und herzliche Grüße,
    A. B.

  • #4

    Ulf H. (Mittwoch, 23 November 2016)

    Sehr geehrte Frau Schuster, vielen Dank für diesen Artikel, Mir war nicht klar, wieviele Menschen bereits am Arbeitsplatz "dopen" müssen, um ihr Arbeitspensum zu schaffen, auch war mir nicht klar, wieviele Krankheiten am Arbeitsplatz entstehen. Diese Informationen stehen zwar seitens der Krankenkasse - wie hier auch zitiert und dargelegt - zur Verfügung, leider werden diese nicht so recht wahrgenommen. Es ist wünschenswert, dass Führungskräfte hier regelnd eingreifen aber auch dass die Arbeitnehmer allgemein - und zwar alle - sich bewusst werden, dass sie für ihre Gesundheit verantwortlich sind und Grenzen ziehen. Vieles hätte ich beipflichtend anzumerken, doch nun belasse ich es damit: Danke für diesen Artikel. Ich werde nun bewusster meine Mitarbeiter sehen. LG Ulf H.

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