Eine Burnout-Erkrankung ist kein Versagen

Burnout-Erkrankungen sind immer häufiger der Grund, dass Mitarbeiter krank geschrieben werden und für eine Zeit dem Unternehmen mit ihrer Leistung nicht zur Verfügung stehen. In diesem Artikel möchte ich mich zu der häufigen Meinung "der/die ist halt nur wenig belastbar" äußern, und hoffe zu einer Steigerung der gegenseitigen Wertschätzung beizutragen.


Wer versagt hier? Wenn eine Kollegin oder ein Kollege aufgrund einer Burnout-Erkrankung dem Unternehmen für eine gewisse Zeit nicht mehr zur Verfügung steht, so wird unter den Kollegen und im Führungskreis oft von "Nichtbelastbarkeit" geredet, was im Grunde als "Versagen" hingestellt wird. Dies ist so nicht richtig. Denn oft handelt es sich bei den Burnout-Erkrankten um jene Mitarbeiter, die sich besonders engagiert für das Unternehmen einsetzen bzw. eingesetzt haben. Sie handelten loyal sowie solidarisch. Irgendwann wurde es zu viel und der Körper meldete sich - noch rechtzeitig! Kein Mensch kann allem gerecht werden, auch nicht die Engagiertesten und Besten. Weiterhin gilt zu bedenken dass niemand, weder Sie noch ich, losgelöst und unabhängig vom System (hier das Unternehmen) eine Burnout-Erkrankung entwickeln. Denn dazu gehören immer auch die äußeren Situationsbedingungen im Unternehmen. Diese Erkenntnis führt oft zu folgendem Schluss: Die Frage nach dem Versagen muss im Grunde hinsichtlich der bestehenden Organisation gestellt werden.

Wenn die Strukturen im Unternehmen so aufgesetzt sind, dass immer mehr zu leisten ist, die Anforderungen immer höher werden, dann helfen weder Seminare noch Workshops hinsichtlich Stressmanagement oder Zeitmanagement. Türmen sich die Aufgaben (qualitativ und quantitativ), und kann man innerhalb der bestehenden Arbeitszeit - selbst unter hohem Druck und Überstunden - nicht das erreichen was man erreichen möchte und sollte, wäre es gut, diese Tatsache anzuerkennen und dazu zu stehen, dass es so nicht mehr weitergeht - und zwar bevor der Körper die Reißleine zieht. Doch wer hat den Mut hierzu, rechtzeitig für sich einzustehen? Und denken nicht viele, es geht schon noch? Die meisten MitarbeiterInnen möchten ihre Sache gut machen.  Und wenn eine Seite in uns sagt, dass das alles eigentlich schon lange sinnlos ist, die andere pflichtbewusste und loyale Seite in uns dagegen poltert, dass man weitermachen muss, dann beginnt ein zermürbender innerer Krieg, der uns langsam aber sicher zu zerreißen droht. Dieser innerer Krieg ist oft der Ausdruck einer äußeren fehlerhaften Organisationsstruktur im Unternehmen und/oder Indiz einer schwachen Führung. 

Grundsätzlich sind Mitarbeiter, die sich engagieren und für die Aufgabe brennen sehr gewünscht und gefragt. Diese zu halten ist wichtige Aufgabe einer guten Führung. Oft begehen Vorgesetzte jedoch die altbekannten und folgenschweren Fehler wie: Sie verlangen von engagierten MitarbeiterInnen immer noch mehr Leistung, sie anerkennen weder den hohen Einsatz noch qualitativ hochwertige Arbeit; oft werden die Versprechen nicht eingehalten; die falschen Leute werden befördert oder Gehaltsunterschiede sind nicht nachvollziehbar sowie ungerecht, etc. 

Wenn Sie Führungskraft sind, lohnt sich hier ein ehrlicher Blick auf Ihre Personalstruktur, und stellen Sie sich die Frage, ob Ihnen die oben genannten Fehler bekannt vorkommen? Wenn ja, versagen Sie sich nicht die Realität, sondern werfen Sie einen ehrlichen Blick auf die Ist-situation und handeln Sie entsprechend.  Vielleicht stehen Sie ja auch zwischen den Mühlen: Sie sind personalverantwortlich und haben Vorgesetzte, die z. B. Ihrer Meinung nach die mangelnde Organisationsstruktur und Überlastung mit zu verantworten haben. Dann haben Sie zwei Rollen auszufüllen und es doppelt schwer. Daher gilt doppelte Achtsamkeit walten zu lassen. Bringen Sie es auf den Tisch und springen Sie über Ihren Schatten. Es gibt es für alles bekanntlich eine Lösung und nichts ist so schwer wie es scheint.

Es, wäre nun hier anmaßend, allumfassende Patentrezepte zu verteilen, wie man nicht in die Falle des "Ausbrennens" gerät. Doch ein Tipp zu guter Letzt: Achten Sie auf Ihre innere Balance. Dabei geht um das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Ziehen Sie rechtzeitig Bilanz. Wenn Sie an den Rand Ihrer Leistungsfähigkeit gekommen sind, und das nicht mehr schaffen was von Ihnen verlangt wird, so what?  Dann ist es eben so. Den Tatsachen muss man ins Auge schauen. Reden Sie mit Ihrem/Ihrer Vorgesetzten offen darüber und übernehmen Sie somit Verantwortung für sich selbst. Dies wird Ihnen nämlich niemand abnehmen. Und oftmals sind die für Mitarbeiter offensichtliche Probleme nicht im Wahrnehmungsfeld der/des Vorgesetzten, da auch er oder sie unter Druck stehen. Erst dann wenn diese erkannt und offen angesprochen werden, kann Abhilfe geschaffen werden. Sollte jedoch Ihr Anliegen  (z. B. die Anforderungen herunter zu schrauben oder Hilfe zur Seite zu stellen) nicht akzeptiert oder gar belächelt werden, und haben Sie das Gefühl, dass Sie dem/der Vorgesetzten egal sind, dann ist es Zeit, sich zu überlegen, ob das noch Ihre Arbeitsstelle ist und Sie sich nach einem neuen Job umsehen sollten. Als Führungskraft sollten Sie sich den Satz durch den Kopf gehen lassen:  Wenn ein Angestellter kündigt, dann kündigt er nicht seine Arbeit, sondern seinen Chef. Und darüber hinaus, könnten Sie sich auch überlegen, ob "Dienst nach Vorschrift" nicht eine Konsequenz der inneren Kündigung bzw. die bequemere Alternative zur Jobsuche ist.  Dienst nach Vorschrift hält ein Unternehmen zwar erst einmal am Leben, aber bleibt es auf die Dauer wettbewerbsfähig?

 

Martina M. Schuster

Bildnachweise: Martina M. Schuster, pixabay




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Kommentare: 2
  • #1

    Werner Wittmann (Samstag, 23 Januar 2016 11:11)

    Sehr geehrte Frau Schuster, das was Sie schreiben trifft ja alles. Meine Frage: Was genau ist Burnout ( Brenn Aus )? Welche Symptome zeigen sich und woran wird erkannt oder bestimmt das es Burnout ist?
    Bei mir hatte man auch Burnout diagnostiziert. Nach über 2 1/2 Jahren hat ein Arzt festgestellt, meine Schilddrüse ist vergrößert und hat Knoten. Nun Begann das Rätselraten der Ärzte,was tun? Ein halbes Jahr später nach viel Input, habe ich beschlossen, das Ding muß raus. ( Größe eines Wiener Schnitzels ) Nach der OP hat es ungefähr 6Monate gedauert bis mein Interesse am Leben und meiner Tätigkeit wieder lebendig wurde. ( LMA Einstellung) Durch die verzögerte OP wurde noch mein Herz in Mitleidenschaft gezogen.
    Heute nach knapp 4 Jahren bin ich wieder vollkommen hergestellt und habe Freude am Leben und Arbeit (Hobby)
    Ich habe für mich herausgefunden, das die Ursache bei mir Versagensangst war. ( NLP P ) Dadurch immer größere Tätigkeitsfelder begonnen und zum Schluss Zusammengeklappt, mein Körper wollte mir den Stress nicht mehr antun.
    Ich bekam auch zu hören. Verantwortungslos, Faulpelz, Drückeberger usw. Ich glaube es können nur Menschen beurteilen die es selber betroffen hat.
    Das Wachstum der Schilddrüse ist eindeutig auf Jodmangel zurück zu führen. Mental alles herunter geschluckt und zu viel geredet.
    Ich danke Ihnen, das Sie sich die Zeit genommen haben, um meinen Kommentar zu lesen. Es gefällt mir was Sie machen.

  • #2

    Martina M. Schuster (Sonntag, 24 Januar 2016 18:17)

    Sehr geehrter Herr Wittmann,

    vielen Dank für das Teilen Ihrer Erfahrungen und Ihre Offenheit. Sie fragen, was das „Burnout“ überhaupt ist? Das Burnout oder Burnout-Syndrom ist keine wissenschaftlich anerkannte Krankheit und keine Behandlungsdiagnose. Dennoch spricht man von einem „Burnout“ (Ausgebranntsein, Zustand der totalen Erschöpfung) wenn die drei Symptome von Erschöpfung, Leistungsreduktion und Selbstentfremdung bei einem Menschen auftreten und diese Symptomatik mit der Arbeitssituation zusammenhängen. Viele Menschen leiden darunter, und viele Ärzte und Psychotherapeuten beklagen die inflationäre Verwendung des Begriffes. Doch die betroffenen Menschen lassen sich dadurch nicht beeindrucken, denn dieser Begriff beschreibt ihr Leiden, auch wenn sich dieses von Fall zu Fall auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene häufig anders darstellt.

    Es muss ein gesellschaftliches Anliegen sein, dass Menschen darüber reden, um gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, und um die Ursachen in der Arbeitsstelle aber auch innerhalb des eigenen Selbstverantwortungsbereiches aufzudecken und verantwortungsvoll anzugehen. Die Wege hierzu können vollkommen unterschiedlich aussehen. Denn jeder Mensch ist ein Individuum, und deshalb wäre z. B. der achtsame Umgang mit sich selbst und der Umwelt ein Schritt zur Prävention.

    Beste Grüße,

    Martina M. Schuster

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