Business Coaching - Eine besondere Herausforderung

Unternehmen jedweder Größe kommen in den letzten Jahren immer stärker in Zugzwang etwas für die psychische Gesundheit - schwächer ausgedrückt: etwas für die Zufriedenheit  und/oder den inneren Frieden ihrer Mitarbeiter zu tun. Nicht umsonst gibt es unzählige Ausbildungen und Angebote von Coaches und Instituten, die diesen Bedarf decken möchten. Aber nicht jeder Business Coach hat die gleichen Voraussetzungen, und auch die Business Coach Ausbildungen weisen oft nicht die notwendigen Inhalte auf, die für ein Unternehmen wichtig und essentiell sind. 

Dies möchte ich im folgenden ein wenig beleuchten. Und starte mit den m. E. drei wesentlichen Unterschieden, die ein Business Coaching  zum Life Coaching aufweist:



Die wesentlichen Unterschiede des Business Coachings zum Life Coaching

  1. Das Coaching ist auf die berufliche Rolle des Klienten fokussiert.
  2. Die Anforderungen hinsichtlich der Dauer des Coachings sind anders, denn im beruflichen Kontext ist der Klient auf schnelle Lösungen angewiesen, d. h. dem Coach stehen oft nur bis zu 5 Stunden zur Verfügung (wenn überhaupt!), um zum Auftragsziel zu gelangen.
  3. Die Vorgehensweise des Coaches muss an die organisationale Wirklichkeit des Klienten angekoppelt sein. Das heißt hier muss konkretes Wissen über Führungs- und Strategiefragen und Wirtschaftsverhalten vorliegen, damit das Coaching auch „operationalisierbar“  und somit fruchtbar sein kann. Es nutzt keinem etwas, wenn Lösungen erarbeitet werden, die nicht im gegebenen Feld umgesetzt werden können.

Aus diesen Unterschieden ergeben sich weitere Voraussetzungen, die der Coach, will er im unternehmerischen Kontext seine Dienstleistung anbieten, aufweisen muss. 

Die Vorraussetzungen an einen Business Coach 

Neben den klassischen Werkzeugen, die man aus dem Life Coaching kennt (siehe hierzu auch den Blogartikel „http://www.conaquila-shop.de/2014/04/11/methoden-im-coaching/“) kommen genau diese Voraussetzungen hinzu:

  1. Das Kennen der wesentlichen Führungsinstrumente und -konzepte. Darüber hinaus muss der Coach wissen, wie der Klient zu unterstützen ist, damit er dieses Know-how effektiver in den Berufsalltag umsetzen kann. Wichtig ist auch zu wissen, dass es  kein ideales Führungskonzept oder nicht die ideale Führungskraft gibt. D. h. es ist stets eine Mischung von Allem, welche kreativ und mit Fingerspitzengefühl angepasst werden will.
  2. Das Kennen von unterschiedlichsten Unternehmensstrukturen, Ablaufprozesse, Spannungsfelder in Aufbau- aber auch Ablauforganisation, systemische Ansätze (aus der Systemforschung), Teambildung usw.
  3. Bezogen auf die wesentlichen drei genannten Unterschiede (siehe oben) müssen die Fokussierung, das Tempo als auch die Organisationsrealität im Auge behalten werden. Viele Fragen können auf den Business Coach zukommen - mit den meisten davon sollte er souverän umgehen können.
  4. Handelt es sich um multinationale Unternehmen mit entsprechender Teamzusammensetzung, dann kommen hier auch noch interkulturelle Aspekte mit hinzu, die ebenfalls in Coachings thematisiert und bearbeitet werden möchten. Das setzt entsprechendes Wissen voraus.

Allgemeine Herausforderung für den Business Coach

Oft ist es gut, wenn der Coach ein Teil der Klientenbiografie kennt  damit er alle möglichen Türen aufstoßen kann, hinter denen sich für den Klienten mögliche Ressourcen und Lösungswege verbergen. Doch im Business Coaching ist diese oft nur bruchstückhaft bekannt. Wenn nun Fragen aufkommen wie: „Wie führe ich ein Perspektivengespräch mit einem älteren Mitarbeiter?“, dann muss nicht nur hierzu Wissen über die Struktur und Vorgehensweise eines Perspektivengespräches vorliegen, sondern es sollten auch bestimmte Kenntnisse vorhanden sein, mit welchen Sorgen, Nöten sich ein „älterer“ Mitarbeiter beschäftigt, damit der Klient seine Aufgabe ebenso erfolgreich, wertschätzend und sozial verträglich bewältigt. Der Coach sollte aber auch ein Gespür dafür haben, wenn die Führungskraft selbst ein Problem hat, mit „älteren“ Mitarbeitern zu reden oder zu arbeiten. Denn dies könnte auf ein Thema in der Klientenbiografie hinweisen.


Anhand dieses Beispiels wird klar, wie weitreichend die Folgen eines guten oder schlechten Coachings sein können, und welche Expertise hier vorliegen muss.

Hier einige typische Fragen aus dem Business Coaching, die diese Thematik noch weiter untermauern:

 

  • Wie gebe ich korrekt Feedback? Wie gehe ich mit negativem Feedback um - „sichtbar / unsichtbar“?
  • Ich möchte mit meinen Mitarbeitern „gewaltfreie Kommunikation“ einüben. Könnten Sie mir das zunächst zeigen?
  • Ich bin befördert worden, und nun bin ich plötzlich Vorgesetzter von meinen ehemaligen Kollegen? Wie soll ich mich verhalten? 
  • Ich bin zum ersten mal Führungskraft, und habe ein Team bekommen, innerhalb dessen auf Einige sind, die schon älter und erfahrener sind als ich. Wie soll ich in den ersten Monaten vorgehen, damit ich gerade in der Anfangszeit die richtigen Weichen stelle? Können Sie mich hierbei begleiten und mir als Gesprächspartner und Berater zur Verfügung stehen?
  • Ein nächster Karrieresprung steht an. Können Sie mir hierbei behilflich sein?
  • Meine Mitarbeiter vertrauen mir nicht. Ich kann sie nur schlecht führen, und fahre sehr viele Reibungsverluste ein, durch Diskussionen und Grabenkämpfe, die unterhalb der Oberfläche schwelen. Das muss ich verändern, können Sie mir dabei helfen?

Schlussfolgerung

Der Business Coach muss neben seinen speziellen Coachingwerkzeugen auch über spezifisches Führungs- und Unternehmenswissen verfügen. Darüber hinaus ist er oft eben nicht nur Coach, sondern auch Berater, Sparingspartner und Trainer. Deshalb ist die Voraussetzung hierzu eine andere als beim Life Coaching. 

Denn nicht nur spezifisches unternehmerisches Wissen ist hier gefragt, sondern auch tiefe Systemkenntnis hinsichtlich Unternehmensstrukturen und -prozesse sowie Erfahrung in solchen unternehmerischen Kontexten, am besten als Führungskraft.